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Europa ist ein Schmelztiegel verschiedener Ethnien, die seit der Erstbesiedlung des Kontinents die traditionellen europäischen Regionen besiedeln. Natürliche und politische Faktoren, inklusive Kriege, Hungersnöte, Klimawandlungen, Vertreibungen und religiöse Konflikte, führten immer wieder zu neuen inner-europäischen Migrationsbewegungen.

Die Vermischung durch diese Völkerwanderungen führte einerseits zur Entstehung einer relativ homogenen europäischen Gesellschaft. Andererseits setzten sich in den unterschiedlichen Teilen des Kontinents verschiedene Sprachen durch.

Mit der Entstehung des modernen Nationalismus wurde die Sprache zunehmend zum Hauptfaktor der Identität vieler europäischer Staaten. Während der Begriff "Nation" bis zur französischen Revolution meist mit einem Herrscher, einem geografischen Bereich, oder der religiösen Zugehörigkeit der Bevölkerung in Verbindung gebracht wurde, trat im 19 und 20 Jahrhundert meist die Sprache in den Vordergrund.

So entstanden im 19 und 20 Jahrhundert in ganz Europa so genannte "Nationalstaaten". Ein Nationalstaat ist ein Staat der nach einer Sprachgruppe benannt ist, und in dem die staatlich definierte Identität der Bürger von der Sprache der Mehrheit abhängt.

Da moderne Nationalstaaten klar definierte Grenzen benötigen, entstand von Anbeginn ein immer wiederkehrender Konflikt zwischen verschiedenen Sprachgruppen, insbesondere in jenen Regionen in denen traditionell mehr als eine Sprache gesprochen wurde.

Alle europäischen Kriege seit der Mitte des 19 Jahrhunderts, inklusive dem Deutsch-Französischen Krieg, dem ersten und zweiten Weltkrieg, sowie beiden Balkankriegen, haben ihre Wurzeln in Territorialkonflikten zwischen Nationalstaaten.

Obwohl die Bevölkerung Europas heute ethnisch, kulturell und sozial relativ homogen ist, ist die Beziehung zwischen den Staaten, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrung von Krieg, Besetzung, Assimilierung und Vertreibung, weiterhin von Vorurteilen und gegenseitigem Misstrauen geprägt.

Die Europäische Union ist ein gemeinsamer Versuch aller europäischen Staaten die Konflikte zwischen den Nationalstaaten abzubauen, und eine gemeinsame europäische Identität in den Vordergrund zu stellen, mit der sich Mehrheit und Minderheit gleichermassen identifizieren kann.

Die Europäische Union entstand als Antwort auf den Terror der beiden Weltkriege, die Europa zerstückelten und Millionen Menschen Leid brachten. Sie ist ein Projekt des Friedens, der Einheit und des Wohlstandes.

Ein Gesetz zum Schutz des europäischen Spracherbes ist von entscheidender Bedeutung um Konflikte und Spannungen abzubauen, und ist daher ein essentieller Bestandteil des zukünftigen Erfolges des europäischen Projektes. Ohne die volle gesetzliche Anerkennung der sprachlichen Wurzeln Europas, wird es keine funktionierende, auf gegenseitigen Respekt basierende, Europäische Union geben.


Dies sind die Schlüsselfaktoren dieses Gesetzesentwurfes:

  • Staatenlose Sprachen bekommen erstmals volle und gleichberechtigte Anerkennung auf allen Ebenen der öffentlichen Verwaltung.
  • Regionen in Europa mit einer besonderen Eigenidentität, erhalten das Recht auf lokale Autonomie innerhalb des Staates in dem sie sich befinden. Diese erlaubt es den Bürgern ihre einzigartige Identität auf sozialer und politischer Ebene zu leben und zu schützen.

  • Das Verhältnis der europäischen Nationalstaaten zu ihren mehrsprachigen Wurzeln ist meist von Vorurteilen geprägt. Eine einheitliche Gesetzgebung in ganz Europa wird entscheidend zu einem menschlicheren und faireren Europa beitragen, das für alle da ist.
  • Der Gesetzesentwurf erfüllt alle gängigen Standards des modernen Minderheiten- und Sprachenschutzes, die ich gerne als die 3 Pfeiler bezeichne.
  • Pfeiler 1: Das Recht auf die Benützung einer autochthonen Sprache im Umgang mit Behörden auf allen Ebenen.
  • Pfeiler 2: Das Recht auf Bildung und Unterricht in einer autochthonen Sprache.
  • Pfeiler 3: Das Recht auf topografische und andere Beschilderung in einer autochthonen Sprache.
  • Der Gesetzesentwurf schützt auch die vom aussterben bedrohten Sprachen in jenen Regionen Europas, in denen aufgrund von Assimilierung, ethnischer Säuberung und Vertreibung, das sprachliche Erbe vom Aussterben bedroht ist.
  • Das Gesetz anerkennt das jüdische Erbe Europas, einst wesentlicher Bestandteil der europäischen Gesellschaft, das unter den Nationalsozialisten grossteils zerstört wurde. Dasselbe gilt für die Romani Europas.
  • Das Gesetz erlaubt eine sehr weitgehende Autonomie des Kosovo innerhalb Serbiens und schützt ausserdem die kurdischen Wurzeln des möglichen zukünftigen EU Mitglieds Türkei, sowie das sprachliche Erbe der Nachkriegsvertriebenen, inklusive der Polen aus dem ehemaligen Ostpolen, der Deutschen aus dem ehemaligen Ostdeutschland und der ehemaligen Tschechoslowakei, der Ungarn der Slowakei, der Serben des Kosovo, und der Kroaten/Serben in Kroatien/Serbien.

 


 

   
  © 2006 Peter Josika